Moni

Der Orgasmus: Wer Entscheidet wie Lange es dauert?

Heterosexueller Sex endet wenn der Mann einen Orgasmus hat. Ich dachte, dass das so ist. Ich dachte, dass das immer so ist. Außer jemand will vorher aufhören. Man könnte z. B. während dem Sex einfach aufstehen, sich anziehen und gehen. Dann wäre es auch vorbei.

Ich find das nicht so super, also dass der Geschlechtsakt dauert bis ein Mann kommt bzw. aufhört wenn ein Mann kommt. Das fühlt sich patriarchal an, blöd, unfair und auch irgendwie enttäuschend. Doch genau das laut zu sagen, habe ich mich bis jetzt nicht wirklich getraut. Manchmal bin ich aber zwischendrin aufgestanden und gegangen. Oder ich hab gewartet bis es endlich fertig ist. Beides komplett bescheuert von mir.

Vor kurzem hab ich zwei Bücher von Dave Asprey gelesen. In seinem Podcast hat er sich auch mit John Gray und dessen Zugang zu männlichen Orgasmen auseinandergesetzt. So ganz hab ich das Thema noch nicht durchschaut. Doch hier sind mal meine ersten Eindrücke:

  • ein männlicher Orgasmus ist auch ohne Ejakulation möglich
  • Orgasmus ohne Ejakulation kann trainiert werden
  • der/die Sexpartner*in kann den Orgasmus ohne Ejakulation unterstützen
  • für Männer: zu viele Ejakulationen sind schlecht für Produktivität und Energiehaushalt
  • für Frauen: tägliche Orgasmen sind gesundheitsfördernd
  • Pornos haben problematische hormonelle Auswirkungen auf das Gehirn
  • aggressive Männer haben einen hohen Östrogenspiegel
  • es gibt einen G-Spot und einen E-Spot

Weiter Updates mit wissenschaftlich fundierten Infos kommen bald sobald ich mehr Ahnung habe und mit mehr Personen gesprochen habe, die gelernt haben oder lernen wollen, wie man(n) einen Orgasmus ohne Ejakulation hat.

Zum Nachdenken

Viel von dem was wir in den Medien oder von bestimmten Teilen der Wissenschaft über Sex, Orgasmen, Ejakulationen wissen ist hochproblematisch und schlicht und einfach frauenfeindlich. Ich sage nur, warum glauben so viele heteronormative Menschen immer noch, dass es für Frauen schwierig ist, einen Orgasmus beim Sex zu haben? Vielleicht damit Männer sich weniger anstrengen müssen. Denn deren Leben ist eh schon schwierig genug. Besonders heutzutage.

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WTF: Bist du kein*e Foodcoopista?

Warum gehe ich nicht so gerne in den Supermarkt? Anstehen an der Kassa macht mir keinen Spaß. Manchmal bin ich sogar genervt, wenn eine Schlange an der Kasse ist. Und wenn dann jemand hinter mir oder vor mir schon sudert, warum keine zweite Kassa offen ist. Was mir wirklich auf die Nerven geht, ist wenn ich beim Bezahlen für alle zu langsam bin, weil ich schon wieder mein Kleingeld in der Brieftasche suche.

Und was ist strukturell blöd am Einkaufen im Supermarkt? Die viel zu große Auswahl, die Unwissenheit darüber, woher die Produkte eigentlich kommen, der mangelnde Bezug zu den Produzent*innen und der Müll. Wenn man dreimal in der Woche oder noch öfter einkaufen geht, und zwar nur im Supermarkt, fällt das vielleicht irgendwann gar nicht mehr auf. Vielleicht gehört das dann schon zum Alltag?

Ich mag es lieber anders: Ich mag die Foodcoop

Eine Foodcoop ist eine Einkaufsgemeinschaft. Also eine Gemeinschaft von Menschen, die sich zusammenfindet, um direkt bei biologischen, regionalen Produzent*innen einzukaufen. Gemeinsam gründet man einen Verein, mietet sich ein Lager, organisiert die anfallenden Aufgaben, diskutiert, entscheidet, kauft ein, putzt und lernt.

Wenn du bei einer Foodcoop bist, dann gehst du nicht einfach am Abholtag in die Foodcoop, um deine vorher bestellten Lebensmittel in den Kisten zu suchen, abzuwiegen, dir vielleicht selber die Preise auszurechnen, sie ins Kontoblatt einzutragen und sie ökologisch einzupacken.

Du bist die Foodcoop. Das heißt: Du entscheidest mit. Bei den Plena und in Online-Diskussionen (in Foren) wird gemeinsam entschieden und verhandelt, wie das Miteinander funktioniert, welche Prinzipien bei der Auswahl von Produkten oder von Produzent*innen wichtig sind und wie man Putzdienste organisiert. Du springst vielleicht spontan ein, wenn es darum geht die Südfrüchte abzuholen, die von den Galline Felici zur Foodcoop Markhof geliefert werden. Vielleicht kümmerst du dich um die jährliche Thermenwartung? Oder vielleicht findest du Zahlen grenzgenial und bist die Buchhaltungs-Wunderwuzzi? Deine HTML oder LMTH (Lass meine Tomaten hier) Kenntnisse könnten dich zur Open-Atrium-Vernetzungs-Administratorin machen. Alles ist möglich in der Foodcoop.

Der Lagerraum der Foodcoop Möhrengasse

Die Möhrengasse

Ich bin seit dem Herbst 2013 in der Foodcoop Möhrengasse. Die Foodcoop befand sich damals noch an ihrem Gründungsstandort in der Mohrengasse. Leider hat diese Gasse im zweiten Bezirk weder einen dekolonialistischen Durchbruch noch eine Umbenennung erlebt. Im Jahre 2016 sind wir dann weitergezogen. Immer noch im zweiten Bezirk, doch in die Scholzgasse in der Nähe vom Gaußplatz. Die Nähe zum Augarten führt dazu, dass es immer wieder mal ein Plenum am Sonntag Nachmittag im Augarten gibt. Aus einem ‘Gemeinsam Kochen’ wird dann manchmal ein ‘Gemeinsam Picknicken’ im Augarten.

Unsere Foodcoop Möhrengasse befindet sich in einem Keller. Direkt neben der Eingangstür zur Hausnummer 13 gibt es eine kleine Tür, die hinab und hinein in das Lager führt. Wie in vielen Wiener Foodcoops, gibt es einen Schlüsselsafe in dem die Mitglieder, den Schlüssel für die Foodcoop finden. So ist meist ein Zugang nach Bedarf möglich. Dies ist auch für die Produzent*innen prakisch, die somit die Lebensmittel so liefern können, wann es ihnen passt.

Welche Produkte gibt es gerade?

Strukturell könnte man Lagerware und Bestellware unterscheiden. Also es gibt bei uns in der Möhrengasse Lebensmittel, die meistens da sind, man muss sie nicht bestellen, man nimmt sie sich einfach mit. Das wären bei uns z. B. nach Saison Äpfel und Obstsäfte vom Obstbau Filip aus Bogenneusiedl, Wein und Traubensaft vom Biohof Klampfer in Eisenstadt, Getreide von der Familie Schmidt in Neudorf bei Staatz, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch von Biohof Bubenicek-Meiberger in Zwerndorf, Olivenöl und Oliven vom Stavros und seiner Familie am Peloponnes. Zudem haben wir auch Kräutershampoo vom Walter Jani, Ursalz, Kichererbsen, Reis (Österreichisch und Italienisch), Nudeln, Bier, alkoholfreien Frizzante, Käse zum selber runterschneiden, Rosinen, Marmelade, Honig, Kaffee, Schokolade, vegane Aufstriche vom Hiel und vieles mehr.

Bestellware ist ein bisschen anders. Manche Wiener Foodcoops verwenden die Foodsoft zur Koordination von Bestellungen. Bei uns sinds google sheets. Da gibt es dann z. B. eine Bestellliste fürs Gemüse und so trägt man in einer Tabelle seinen Namen und die gewünschten Angaben zum Gemüse ein. Genauso funktionierts mit Milchprodukten, Brot, Tee, veganen Aufstrichen, Südfrüchten im Winter und fermentierten Produkten von Il fermento. Die Gemüsebestellung und -lieferung ist genauso wie die Brot- und die Milchproduktebestellung jede Woche um die gleiche Zeit. Andere Bestellungen sind unregelmäßiger.

Obstsäfte vom Klampfer, Obstbau Filipp, Wein vom Klampfer und Hager

Wie funktioniert so ein ‘Einkauf’ – also die Abholung?

Du kommst entweder beim Möhrenkränzchen am Dienstag zwischen 18:00 und 20:00 Uhr vorbei oder wann es dir passt mit Türcode. Abholen ist mit etwas Aufwand und viel Eigenverantwortung verbunden. Du nimmst dir alles selbst, wiegst selbst ab, füllst um und wäschst das Käsemesser nachdem du dir Käse runtergeschnitten hast. Dann rechnest du selbst zusammen und trägst die Summe in dein Kontoblatt ein. Du bist verantwortlich. Daheim kochst du dir dann was Feines.

Und was kostet der Spaß?

Es gibt zumal den Migliedsbeitrag, den jede*r für Miete, Strom, Versicherung, Schwund etc. zahlt. Da ist der Richtwert bei uns aktuell so um die 10 Euro pro Person. Und dann zahlst du für die verschiedenen Produkte, die du genießt. Oftmals fragen potentielle neue Mitglieder nach dem Preis bzw. wie man Foodcoop-Preise mit herkömmlichen Einkäufen vergleichen kann.

Diese Fragen kann man nicht so pauschaliert beantworten. Wenn man mit den Bio-Produkten vom Diskonter vergleicht, ist sicherlich vieles teurer. Abgesehen von der Hirse. In meinem ersten Foodcoop Jahr hat die chinesische Bio-Hirse beim Hofer doppelt so viel gekostet wie die österreichische Hirse von den Schmidts. Das Gemüse in unserer Foodcoop ist meist günstiger als beim Denn’s – aber vielleicht auch nicht immer. Kommt immer aufs Produkt und die Saison drauf an.

Preisliche Fragen stehen sicherlich in der Foodcoop immer weit hinter ökologischen Fragen von Herstellung, Transport oder Verpackung. Und manchmal denk ich mir, wenn ich die Zeit aufrechne, die ich jetzt nicht mehr mit Schlage im Supermarkt stehen, mich nicht entscheiden können, Essen auspacken, Müll wegschmeißen und Müll wegtragen verbringe, habe ich vielleicht sogar gewonnen?

Wer macht die Arbeit?

Wer mahlt das Mehl? Wenn du Mehl möchtest, nimmst du dir das Getreide und mahlst selbst. Angenehm ist hier, dass du dir auch nur 200g mahlen kannst oder wieviel du eben brauchst. Und das auch noch frisch!

Dein erster Kontakt mit einer Foodcoop ist vielleicht die Homepage, um die sich jemand kümmert. Oder du schreibst eine Mail an eine allgemeine Info-Mailadresse. Jemand wird dir antworten. Dann bekommst du eine*n Buddy zugeteilt (zumindest in der Möhrengasse und in den meisten Wiener Foodcoops ist das so), die/der dich in der ersten Zeit unterstützt. Diese Person beantwortet dir Fragen und erleichtert somit das Reinkommen und Andocken an die Foodcoop. Vielleicht kommst du auch zu einem Möhrenkränzchen, wo zwei fleißige Möhr*innen sich um das Lager kümmern, putzen, Mindeshaltbarkeitsdaten überprüfen und Interessierte informieren.

Dann gibt’s Personen in der Foodcoop, die direkt in Kontakt mit den Produzent*innen stehen, und sich um Bestellungen, Lieferungen, Abholung etc. kümmern. Manche kümmern sich um die Bezahlung der Rechnungen, das Waschen der Geschirrtücher, das regelmäßige Lüften oder das Ausfüllen der Leergutlisten. Die Aufgaben in einer Foodcoop verändern sich genauso wie die Menschen in der Foodcoop. Eines ist sicher: Es findet sich immer für jede*n etwas zu tun und für jede Aufgabe findet sich auch immer wer, der sie gerne angeht.

Ist die Arbeit in der Foodcoop wie ein Honigschlecken?

Wie werden Entscheidungen getroffen?

Partizipatorisch, einstimmig, diskutierend. Aktuell findet einmal im Monat ein Plenum statt. Bei uns abwechselnd am Mittwoch Abend und dann am Sonntag Nachmittag. Da kommen dann jene, die Zeit und Lust haben zusammen und besprechen, diskutieren, wägen ab und informieren zu dem, was gerade wichtig ist. Besprochen werden z. B. neue Produzent*innen, mögliche Kooperationen oder aktuell der Marktamtbesuch.

Jede*r hat die Möglichkeit Themen einzubringen – im Vorfeld im Online-Forum oder zu Beginn des Plenums bei der Themenfindung. Jede*r kann Vorschläge machen und mitdiskutieren. Das Ziel sind einstimmige Entscheidungen bzw. konsensorientierte Entscheidungen, die sich für alle Beteiligten gut anfühlen. Mitbedacht werden auch oft die Bedürfnisse von Mitgliedern, die gerade nicht beim Plenum dabei sind.

Bevor ich in der Möhrengasse Mitglied war, hatte ich kaum Erfahrung in dieser Art der Diskussionskultur. Ehrenamtlich war ich vor ein paar Jahren in Innsbruck einige Zeit bei einer Amnesty International Gruppe aktiv gewesen. Ich hatte auch in einem kleinen Weltladen mit regelmäßigen Plena mitgeholfen. Auch dort gab es Diskussionen doch auch oft Hierarchien. Diese waren direkt ersichtlich oder unterschwellig und unausgesprochen.

Ich kann mich noch an mein erstes Arbeitsgruppentreffen in der Möhrengasse erinnern. Damals hatten wir noch Arbeitsgruppen. Zur Arbeitsgruppe ‘Essen Jetzt!’ trafen wir uns im Cafe Sperlhof. Obwohl ich damals wenig Ahnung von biologischen Bauernprodukten, Kooperation mit Produzent*innen und Foodcoops hatte, zählten meine Ideen genauso viel, wie jene der Personen, die schon in der ersten Wiener Foodcoop Bioparadies dabei gewesen waren und nun Möhrengassen-Mitglieder waren. Dieses Gefühl möchte ich auch heute noch allen mitgeben, die neu in die Foodcooop kommen.

Immer Zeit für Kaffee…

Vernetzung und Kooperation

In den Wiener Foodcoops wird viel koordiniert. Z. B. die Südfrüchtebestellung aus Sizilien: In den Wintermonaten kommt ein LKW und liefert alle Bestellungen aller Wiener Foodcoops zur Foodcoop Markhof, wo super fleißige Personen, die Bestellungen aussortieren und zusammenstellen, somit dann die einzelnen Foodcoops ihre konkrete Bestellung abholen können.

Koordiniert wird auch die Getreidelieferung bei den Schmidts, wo gemeinsam ein Sixt-Transporter ausgeliehen wird, um die 1-2 Tonnen Getreide nach Wien zu fahren. Gemeinsam wird eingeladen, geschleppt und von Neudorf bei Staatz nach Wien gefahren und dann in den unterschiedlichen Wiener Foodcooops abgeladen.

Gemeinsam wird auch Reis aus Oberitalien bei Lesca Simone bestellt und dann gibt es ein Vernetzungs-Open-Atrium und immer mal wieder Vernetzungstreffen der IG-Foodcoops, um Dinge zu besprechen, die alle österreichischen Foodcoops betreffen. Geholfen wird untereinander für Software-Dinge (fürs Forum, Bestellung, Koordination), Umgang mit Behörden, Organisatorisches und insbesondere Neugründungen. Wer auch immer in Österreich eine Foodcoop gründen möchte, kann auf einen großen Pool an Wissen und hilfsbereiten Menschen zählen, die gerne mit ihren Erfahrungen und viel Motivation unterstützen.

Du willst jetzt auch Foodcoop Mitglied werden?

Foodcoops in Wien:

Foodcoops in Österreich gibt’s z. B. auch in Linz, Klagenfurt, St. Pölten, Innsbruck, Graz, Straß im Attergau, Vomperbach, Alberndorf, Salzburg, Mittersil, Kronstorf, Roitham, Scharnstein, Wattens, Zwettl, Gänserndorf, Ulrichskirchen, Gmunden, Mistelbach, Traiskirchen, Imst, Langenlois, Deutschlandsberg, Pörndorf, Reichersberg, Schwaz, Steyeregg, Dornbirn, Gablitz, Vöcklabruck. Die Liste ist nicht vollständig und erweitertet sich kontinuierlich. Weitere Infos gibt es auf der Foodcoop-Homepage.

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Daria Shevtsova vegan nachhaltig

Vegan und trotzdem Nachhaltig: Ein Widerspruch oder wie ist das überhaupt?

Es sind jetzt bald 10 Jahre bei mir, also 10 Jahre an denen ich mich so pflanzenbasiert wie möglich ernähre und zahlreiche tierische Produkte aus meiner Kleidung und meinem Alltag gestrichen habe. Am Anfang waren es die Tiere und die Massentierhaltung, die ich einfach ekelhaft fand und nicht mehr unterstützen wollte. Ziemlich schnell wurde mein Hauptgrund für eine vegane Lebensweise die Umwelt. Für mich stellte sich aber auch schnell die Frage: Kann ich vegan und trotzdem nachhaltig leben?

Dreimal in der Woche Fleisch aus Massentierhaltung zu essen, ist nicht gut für unser Klima. Unser übermäßiger Konsum an tierischen Produkten in der westlichen Welt kreiert einen hohen CO2 Ausstoß, führt zu einer Überfischung der Meere, zerstört Ökosysteme und ist auch noch in zahlreichen Fällen ungesund für die Menschen.

Das scheint natürlich allgemein formuliert. Logischerweise ist nicht alles für alle geltend. Selbstverständlich entsprechen die umweltpolitischen Konsequenzen eines Schafjogurt-Einkaufs am Bauermarkt nicht denen eines Dosen-Thunfischeinkaufs im Billiggsupermarkt. Ist dann doch nicht alles ganz genau das Gleiche. Oder etwa doch?

Wie nachhaltig ist vegan eigentlich?

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Sicherlich hat jede*r ein anderes Verständnis von Nachhaltigkeit. Grundsätzlich könnte gesagt werden, dass Einkaufstauschen aus Papier, Stoff oder das Bio-Kreislauf-Sackerl natürlich grundsätzlich besser sind als ein Plastiksackerl. Doch wenn man sich die Ressourcenver(sch)wendung bei der Herstellung, den CO2 Ausstoß und die notwendige Nutzungsdauer genauer ansieht, dann sieht das alles schon wesentlich komplexer aus.

So ähnlich ist es mit dem vegan sein. Es stellt sich die Frage, ob man vegan und trotzdem nachhaltig sein kann. Nehmen wir mal die folgende Ausgangssituation: Ein pflanzenbasiertes Abendessen mit Freund*innen. Du willst deine Gäste so richtig verwöhnen und planst ein Drei-Gänge Menü. Es ist Sommer in Wien und du hast gerade sogar eine geniale Auswahl an regionalen, biologischen Lebensmitteln. Deine Produkte für dieses Menü kommen vom Billa, Spar oder vom Bio-Supermarkt Denns.

Vorspeise: Tomaten-Bruschetta auf Vollkornbrot und grüner Salat mit Radieschen, Avocado, Gurke und Senf-Dressing

Hauptspeise: Paniertes Schnitzel vom Veganz mit Karotten-Mangoldgemüse und Quinoa

Nachspeise: Veganes Ben&Jerry Eis “Coconutterly Caramel’d”

Schmeckt sicher gut, keine Frage. Hat wahrscheinlich sogar eine bessere CO2 Bilanz als ein Rindssteak, das mit zahlreichen Kilogramm Sojabohnen aus dem südamerikanischen Regenwald gefüttert wurde. Wie sieht’s aber genau mit der Wasserbilanz aus? Und wie sind die konkreten Auswirkungen der verschiedenen Lebensmittel? Was passiert mit dem Plastik, in dem das vegane Schnitzel eingepackt ist? Ziemlich komplex ist das. Vegan und trotzdem nachhaltig?

In weiteren Beiträgen wird es um Plastikverpackungen, Bio-Supermärkte, Supermärkte im Allgemeinen, Quinoa und vieles mehr gehen. Jetzt widmen wir uns einfach mal der heißgeliebten Avocado.

It’s time to talk about the avocado in the room

Avocados sind durch den hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren besonder ideal, wenn man wenig oder kein tierisches Fett zu sich nimmt. In Mittel- und Südamerika ist die Frucht deshalb seit tausenden von Jahren ein wichtiger Teil der Grundnahrungsmittel. Zudem sind Avocados auch reich an zahlreichen Vitaminen.

Obwohl die Frucht ähnlich wie Kaffee und Schokolade von den spanischen Kolonialisten in der Welt verbreitet wurde, wird sie aktuell besonders in Mexiko angebaut. Die hohe weltweite Nachfrage und der entsprechende Transport ist alles andere als positiv für die CO2-Bilanz. Aufgrund der langen Distanzen (nach Westeuropa zwischen 5.000 und 6.000 km) werden die Früchte meist unreif gepflückt und gekühlt gelagert, was sehr energieintensiv ist. Spanien produziert auch Avocados, jedoch bei Weitem nicht so viel wie die Hauptproduzenten Mexiko, Chile, Californien, Peru, die Domenikanische Repubik, Brasilien oder Kenia.

Ähnlich wie die meisten Obst- und Gemüsesorten für den Transport, werden auch Avocados in Monokulturen (die durch Abholzung entstehen) unter hohem Einsatz von Pestiziden hergestellt. Aus Lagerungsgründen (dicke Schale) ist der Großteil der angebauten Avocados von der Sorte Hass-Avocado. Die Herstellung einer Avocado benötigt im Anbau bereits circa 300 lt. Wasser. Dieser Wasserverbrauch hat in Chile bereits des Öfteren zu Wasserarmut geführt.

Und nun die Hipster-Armut connection, die uns oft begleitet: Die hohe, weltweite Nachfrage an Avocados hat den Preis der Frucht derartig in die Höhe getrieben, dass jene Menschen, die die Avocado jahrtausendelang zu ihren Grundnahrungsmitteln zählten, sie sich oft kaum oder nicht mehr leisten können.

Nicht zu vergessen: Die hohen Profite für manche Bauern in der mexikanischen Region Michoacán haben Gangs angelockt, die mittlerweile von den Bäuer*innen Schutzgeld verlangen und diese bedrohen. Mehr davon in der Financial Post.

Und was haben wir heute gelernt? Allgemeine Antworten gibt’s selten! Die Avocado ist eindeutig vegan, aber sicher weit entfernt von nachhaltig.